Geschichte & Tradition

Wo hier die Mühle steht, sollen schon die Germanen in der Steinzeit und später die Wenden und Sachsen ihren Stand gehabt haben. Es wird bewiesen durch die Steingräber hier in der Nähe und durch die vielen Funde von Urnen. Für den damaligen Lebenserhalt fand man hier Wasser, Wald und Ackerland.

Im Jahre 1350 tritt die Mühle erstmals urkundlich im Archiv der Hansestadt Hamburg unter der Bezeichnung "Ovmole" an das Licht der Geschichte. Ein Cursores ( heute Läufer oder Bote genannt ) soll einen Solidus ( damalige Währung ) von der Kämmerei der Hansestadt Hamburg erhalten haben und zur "Ovmole" gesandt worden sein. Man nimmt an, daß er Verhandlungen wegen der Lieferung von Korn und Mehl geführt hat.

Die Mühle an der Au hat seit ältesten Zeiten den Status einer Zwangsmühle gehabt, den sie bis zum Jahre 1871 beibehielt, d.h. die Bauern der umliegenden Dörfer ( um 1600 waren es 14 Dörfer ) waren verpflichtet, ihr Korn hier mahlen zu lassen. Der Müller war nicht Besitzer, sondern Pächter des Landesherren, des Herzogs von Sachsen-Engern und Westfalen, der in Lauenburg residierte.

Um den Zwangsgästen, die oft erhebliche Wartezeit zu verkürzen, erhielt die Mühle eine "Ausschankgerechtsame", die sie bis Ende 1959 behalten hat. Eine "sicher anzubringende rote Laterne" wies auf den Ausschank hin. Außerdem hatte der Müller in seinen Stallungen einen Ausspann für 15 Pferde zu gewähren.

Aus dem Landesarchiv Schleswig und aus den Kirchenbüchern von Brunstorf sind folgende Pächter und Ereignisse bekannt geworden:

  • Im Jahre 1592 ist der Kornmühlen-Meister Beinecke Pächter der Mühle. Es folgen in den Jahren 1600 bis 1800 die Mühlenmeister Stickborn, Havemann, Rüsau, Prehn, Lindemann, Schwaren, Großschopf und Holst.
  • In den Jahren 1807 bis 1813 ziehen französische und russische Krieger durch unser Land und quartieren sich oftmals in der Mühle ein.
  • Im Jahre 1842 wird Julius Wilken geboren. Er wird Mühlenmeister und heiratet Wilhelmine, die Tochter des Anbauers Kämerling hier von Billenkamp.
  • Nach 1871 kommt die Mühle, wie der ganze Sachenwald mit der Dotation in den Besitz Fürst Otto von Bismarck.
  • Am 01. Mai 1884 wird der Mühlenmeister Gustav Rudolph Rohde aus Mecklenburg Pächter der Mühle.
  • Im Sommer des Jahres 1888 wird die Mühle bis auf die Grundmauern durch ein Feuer zerstört. Der Wiederaufbau erfolgt bereits 1 Jahr später. Am 01. Oktober 1929 übernimmt sein Sohn, Herbert Rohde den Mühlenbetrieb von seinem Vater und wirkt hier bis Oktober 1959 als letzter Mühlenmeister.
  • Die immer stärker werdende Konkurrenz durch Großmühlen veranlaßte ihn den Vertrag nicht mehr zu erneuern und den Mühlenbetrieb aufzugeben. Er betreibt weiterhin die Landwirtschaft, handelt mit Getreide und führt die nun seit langem bestehende Gaststätte weiter bis 1976.
  • Danach wurde die ehemalige Kornmühle in einen Hotel- und Restaurantbetrieb umgebaut. Bauherrin ist i.D. Fürstin Ann-Mari von Bismarck. Die Mühle erhält ihren heutigen Namen.

Heute treibt kein Wasser mehr die Mühlenräder bzw. die Turbinen, so das nur wenigen Gästen bewußt ist, daß sie sich in einem Haus auf 650 Jahre alten Grundmauern befinden, die noch im Schwedensaal, draußen auf der Terrasse und im Wasserfall zu sehen sind.

Einige Gegenstände aus Friedrichsruh vermitteln dem Beschauer das Gefühl "Geschichte zu erleben" verbunden mit einem Hauch von der Größe und Stärke des Reichskanzlers, die sie ausstrahlen.

So befinden sich im "Bismarckzimmer" ein alter Gobelin aus Schönhausen, ein Porträt des Reichskanzlers in Halberstädter Kürassier-Uniform gemalt von Lenbach in den 90iger Jahren. In der Bar steht ein Eichenbuffet mit reich geschnitzem Aufsatz aus dem Esszimmer in Friedrichsruh, ein großer Ohrensessel und eine Bronzebüste von Begas. Im Restaurant sieht man einige Bismarck-Ahnenbilder, außerdem einen großen antiken Schrank und zwei sehr schöne Truhen.